Svenja Pingpank gewinnt Teamsilber bei der EM

Kalt und sehr windig war es am frühen Morgen bei der Cross-EM in Samorin (Slowakei). Die Hannover Athletics-Leistungssportlerin Svenja Pingpank war nervös und hatte großen Respekt vor ihren ersten internationalen Meisterschaften.

 

In dem Feld der U23-Läuferinnen waren 63 Starterinnen aus insgesamt 18 Nationen am Start. Der Startschuss für die 6.280 m fiel pünktlich um 9.55 Uhr und Svenja erwischte einen guten Einstieg ins Rennen. Position und Rhythmus finden, nicht zu langsam starten und dran bleiben. Dies hatte der Bundestrainer Sebastian Weiß ihr als Auftrag gegeben. Svenja lief gleichmäßige Runden über den anspruchsvollen Parcours auf der Pferderennbahn in Samorin und überquerte die Ziellinie als 46. Läuferin in sehr guten 22:32 min.

Mit einer überragenden Alina Reh (Europameisterin in 20:22 min) gefolgt von Konstanze Klosterhalfen (Vize-Europameisterin in 20:25 min), Anna Gehring (12. Platz in 21:28 min) und Vera Coutellier (20. Platz in 21:48 min) lief das Team fantastische Zeiten. Die Belohnung: Teamsilber für Deutschland. Es sollte die einzige Mannschaftsmedaille für Deutschland in dieser Cross-EM bleiben. (LAUFZEIT&CONDITION berichtete bereits)

Direkt nach der Siegerehrung kam Christian Stang, Trainer der Studierenden-Nationalmannschaft, auf Svenja Pingpank zu und sprach ihr die aussichtsreiche Einladung für die FISU World University Cross Country Championship in St. Gallen (Schweiz) am 7. April 2018 aus. Ob sie final daran teilnimmt, entscheidet sich drei Monate vorher, am 7. Januar 2018. Svenja absolviert den Fernstudiengang „Fitness and Health Management“ an der IST-Hochschule für Management in Düsseldorf. Das berechtigt sie zu einem Start bei den Weltmeisterschaften der Universitäten. Auch dort wird sie bei feststehender Nominierung wieder im Deutschland-Trikot starten.

In diesem Jahr hat sich Svenja Pingpank beim Landeskader beworben. Sie suchte für ihre weitere leistungssportliche Karriere ein optimales Umfeld und Team am Olympiastützpunkt Hannover. Sie erhielt eine Absage mit der Begründung, dass keine zu erwartende Prognoseleistung für einen internationalen Start innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre bei der U23 möglich wäre. Das von ihr gewünschte, klärende Gespräch mit den Kaderverantwortlichen lässt seit Wochen auf sich warten. Mit der Qualifizierung für die Cross-Europameisterschaft hat Svenja nun genau das bewiesen, was die Verantwortlichen für nicht möglich hielten.

Stattdessen sind im aktuellen Landeskader mindestens sechs Athleten gleichen Jahrgangs aufgenommen worden, die in den nächsten Jahren gar keine Möglichkeit eines internationalen U23-Starts haben werden. Die nächsten U23 Leichtathletik-Europameisterschaften werden nämlich erst wieder 2019 ausgetragen. Der Kader wird jedes Jahr neu gebildet. Kritisch zu hinterfragen wäre daher die einheitliche Ausrichtung der Leichtathletik in Niedersachsen, wie es die Satzung des Landesverbandes zusagt.

Dass solche Absagen an Leistungssportler mental nicht gerade von Vorteil sind, ist unumstritten. Zum Glück ist Svenja Pingpank eine Frohnatur. Die fehlende Unterstützung seitens des Verbandes und der Verbandstrainer hat sie nicht davon abgehalten, ihr Ziel – die Teilnahme an ihrer ersten Europameisterschaft – zu  erreichen. Sie hat mit Ruhe und Geduld darauf hintrainiert. Sie hat ein Jugend-Aufbautraining gemacht, während andere Läuferinnen bereits im Hochleistungs-Training über das Doppelte absolvieren. Svenja Pingpank ist eine Athletin mit Perspektive. Die Verantwortlichen von Hannover Athletics sind froh, dass sie ihr Fokus nicht verloren hat. (Info: Hannover Athletics)

UNSERE MEINUNG:

Junge Athleten gilt es zu fordern aber auch zu fördern. Das sollten die Auswahltrainer immer im Fokus haben. Bei der Auswahl und den Auswahlkriterien für Landes- als auch Bundeskader gab es gerade im Mittel- und Langstreckenbereich in diesem Herbst einige schwierige Entscheidungen. Oft für die Beteiligten aber auch Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Da ist Transparenz gefordert. Entscheidungen wie auch immer sie ausfallen, müssen nachvollziehbar bleiben und dürfen kein „Geschmäckle“ bei den Beteiligten hinterlassen. Da sollten sich die Verantwortlichen einmal kritisch hinterfragen, ob das in allen Fällen eindeutig war. (Jörg Valentin)

 Fotos: Abbildungen: Hannover Athletics e. V./Livestream auf www.european-athletics.org /Svenja Pingpank (rechts) gewinnt Teamsilber bei den Cross-Europameisterschaften zusammen mit Vera Coutellier, Alina Reh, Konstanze Klosterhalfen und Anna Gehring (v.l.n.r)

 

 

 

 

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